The sculptures of Fritz Unegg combine with the voices of the characters to create a unique experience. More
Dimitris Lyacos's narrative trilogy Poena Damni is a dark allegory focusing on the extremes of human existence. The story unfolds on a motif of fragmented monologues - isolated visions of characters almost in a state of trance. More
Uebersetzung Nina-Maria Jaklitsch
Es war bereits Nacht geworden, als ich auf die andere Seite des Bahnhofs ging und auf die Straße hinaustrat. Es regnete noch, wenig. Die Brücke entlang geschlossene Bögen, ich erreichte das matte Licht, las draußen und trat hinter zwei anderen ein. Ein großer Raum im Halbdunkel, rings um mich am Boden, nicht mehr als zehn, einige davon mit Hunden. Links war die Mauer eingestürzt. Von dort kamen noch zwei. Drei. Gegenüber eine blaue Lampe. Rechts eine grüne. Vorne auf der Bühne Frauen in Schwarz, irgendwie komisch, die eine etwas jünger. Drei rund um eine aufgeschnittene Tonne. Die andere bringt Zeitungen, legt sie hinein, zündet ein Feuer an, das Feuer geht aus. Einer geht vor ihnen vorbei, nackt bis zu den Hüften, mit einem zerbrochenen Ziegel oder einem Stein? in der Hand. Rote Zeichen. Er gräbt, weiter drüben richtet er zwei improvisierte Kreuze auf. Er macht sie im Schlamm neben zwei Gläsern fest. Gleich davor, in der flachen Grube, die Karosserie eines Autos ohne Türen. Auf der Motorhaube ein Kassettenrekorder, über der Windschutzscheibe ein Blech. Drinnen sitzt eine Frau. Lange graue Haare, rot geschminkte Lippen. Sie zieht eine Holzplatte davor. Jetzt kann man sie nur durch einen Spalt sehen. Ringsum noch mehr Eisenstücke, alte Maschinenteile. Jemand nähert sich dem Licht, gealtert, mit zerrissenem Pullover, in der Hand eine Bibel und darin ein paar Blätter Papier. Chor, Legion, Nyctivoe, Erzähler. Oben auf der gegenüberliegenden Mauer, auf der rechts und auf der hinten Kreuze, die auf den Zement gesprayt sind. Die Lichter werden schwächer.
ERZÄHLER
bei Tag und Nacht
schrie er unaufhörlich
in den Grabhöhlen und auf den Bergen
und schlug sich mit Steinen.
Als er Jesus von weitem
sah, lief er zu ihm hin,
warf sich vor ihm nieder
und schrie laut:
Was habe ich mit dir zu tun, Jesus,
Sohn des höchsten Gottes?
Ich beschwöre dich bei Gott,
quäle mich nicht!
Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlaß
diesen Mann, du unreiner
Geist. Jesus fragte ihn:
Wie heißt du? Er antwortete:
Mein Name ist Legion;
denn wir sind viele.
CHOR
wenn du stehenbleibst und in der
Nacht hörst, hört man in der
Dunkelheit wenn du schweigst hört man
hinter jenen die nahe bei
dir reden kommen andere
Stimmen verlorene die dich aufwecken
dich nicht vergessen haben, um zu hören
drehst du dich um dich umarmen
die, die vergangen sind versammeln
sich rund um dich, schauen dich an gehen weg
abermals hörst du dieses Brausen immer
am Abend und wieder kommen sie
nehmen dich werden sich
mit deiner Haut bedecken, werden zu dir
unter der Erde sprechen.
ERZÄHLER
er verließ sich darauf, daß er sogar die Macht hat,
Tote zum Leben zu erwecken
LEGION
gebückt nahe bei den Kreuzen,
dann auf dem Bauch liegend
mit solchen Schlägen besser ein wenig
weiter hier, zur Mitte hin
gehend, so; und wenn
der Verstand übergeht erinnere ich mich
wie ich dich zum letzten Mal sah und so als
könnte ich dich noch hören fühlte ich, daß
ich zurückkehren werde und du wiederkommen wirst.
Aber ich kehrte ganz zurück sah nicht
glaubte nicht und dann wieder wie Schritte
mein Leben ist der Rückerinnerung
breite Handfläche, ist
die Scherbe bekam unter der Sonne einen Sprung
jener Schatten in ihrer Mitte den ich dort zu beerdigen beginne
wo du flüsterst.
Dennoch gräbt das Meer wieder aus. Und es kamen
Augenblicke wo diese Schale nicht mehr standhielt
sie war geschrumpft und ich spürte
Säcke angefüllt mit Trümmern und darunter
weiß ich nicht, und ging
die Möwen wurden zu meinen Füßen verflochten
bissen und ich fiel
in der Mitte der Straße.
Jetzt der gleiche Lärm wieder
als würde er sich mitten auseinanderfalten
wie ein Feuer unter zerbrechenden Holzstücken
mitten darin dieser Husten
dann ab und zu die Schreie
daß ich wieder fliehe, vor ihren Flügeln
mir die Stimme vor Furcht übergeht
ich fürchte mich was die Stille bringen wird.
Wer konnte
erkennen, daß hier etwas
dazwischen fällt, wie ein Meer
mich wieder nahe zu dir bringt
die anderen Stimmen aufhören
dann kommen sie, wenn ich schlafe
Beginn der unerträglichen Schatten
Und als ich wieder aufwachte
stürzten neue Gespenster heran
Unbekannte hatten sie rings um mich gepflanzt,
man entkam nicht aus diesen Schlingen
Stimmen nahmen mich zu anderen
Träumen mit, und die Menschen die
um mich herum Gruben aushoben säten
das Eisen und das Licht und suchten etwas
Dann erkannte ich, daß ich nicht mehr konnte
sie nicht um mich herum ertrug
durch alle Orte wanderte ich
bemühte mich zu bleiben irgendwo eine Stadt
und ging die hell erleuchteten Straßen weinend
entlang.
Hierher aber wo die Toten beisammen sind
kehrte ich zurück errichtete hier mein Haus
und sitze auf den Marmorblöcken
und sehne mich nach einem gütigeren
Gott, daß ich in diesen Visionen
ein bißchen mehr Wärme fände
in ihnen,
von dort wo sie geblieben ist
Schritte, deine Stimme.
von oben das Geräusch eines Zuges
CHOR
Jeden Abend kehren die Hunde zurück
steigen die Möwen herab mit ihnen
breitet sich nahe bei ihnen aus welche Stimme
wird gehört werden ein Winkel in seinem Körper
neben mir jetzt auf der Steinplatte wo sein Lager war
die Steine ließ er oben mit Ysopblättern kehrt er auf
welche Lippen sollen Tropfen aufnehmen -
er vergießt ein wenig Blut
Tropfen - spricht über etwas das in seinem Fleisch
schäumt und kommt wieder nahe zu mir
und daß ich unter einem
in die Erde gesteckten Holz stehe
fern ist die Erinnerung an jeden
der Augenblicke wo ich hoch zum Himmel hinaufsah
nein, der Gott der uns befleckte wartet nicht auf uns
der Verfall wird uns wie ein Engel mit sich fortnehmen
in ihm ruhen sich alle aus
die, die ich beklagte
darunter blieb nur
der Totenkopf des Lebens zurück.
Etwas steigt nur
in den Überresten einer Quelle hinauf
an der Brust,
von jenen die sich über mich beugen
werde ich noch ein wenig gehalten noch ein wenig um
hier beisammen
zu bleiben
mit denjenigen die sie bezeichnete und diesen
die Stirn an die Erde
zu lehnen und wenn ich
sie wieder höre
stammle ich
die Worte die ich von den Meinen damals vernommen habe
LEGION
bei den Schritten die ich von unten
höre, und du kehrst zusammen mit uns
in den Körper zurück den ich über mir auftrennen will,
die Sonne kratzt draußen und du verlangst zurück
was du gabst, daß sie wieder
Schreie bedecken und den anderen der weggeht,
mit den Sternen des Schmerzes brennen,
daß ich von diesen Kreuzen aus dorthin gelange
wo die Schritte - unter der Erde
die sie benetzt bringt sie jene zur Quelle wo
ich trinke, zu den Schatten die mich aufwühlen
zu den Zeichen die ich habe um mich zu erinnern,
daß sie sich nähert, sich wie ein Traum
ausbreitet damit ich am nächsten Morgen spüre,
daß ich geschlafen habe um von dir,
weißer Wurm, zu fordern
laß etwas von den Verstorbenen für
die Lebenden, laß mich etwas
von ihrem Mund finden
damit bleibt
uns nehmend, tropfen wir gemeinsam
auf die Flügel einer anderen,
laß es sein,
Wann aber schlüpften Flügel
in den Brüchen des Sumpfes? Sie enthielten
nur Blut, und noch mehr Blut die Nächte,
ihr Schatten rutschte in einem plötzlichen Blick
von mir aus und ich wälzte mich durstig im Schlaf
und mein ganzes Leben - falls es Leben ist - verstand ich nicht
wie sie mich von innen schlagen,
und dann, das Gewicht in den Eingeweiden; und
dann pressen sich Nägel in meine Augen
die brannten, das Blut
wäscht aus, bis die Hunde daran denken
kurz von ihrem Gebell abzulassen,
bis sie wieder
in mir beginnen mit .
Dann seltsame
Körper derer die vor mir waren
und mitten in ihr Haus schleppte ich mich und
drehe mich um damit ich sehe woher jene
Worte kommen die sogar noch
in meinen Schlaf reichen
in die Angst vor dem Ersticken, wie,
wie soll ich verstehen, und sie rufen mich
damit ich wieder hierher zurückkehre sobald ich mich aufmache wegzugehen
packt mich Übelkeit wenn ich diese Türen
knarren höre die einmal Fleisch
darunter hatten, schließe ich meine Augen sehe ich dich wieder
und fange erneut an zu graben sie sagen mir,
daß ich graben soll um sie wiederzufinden.
So werde ich sitzen unter
schwarz wurden sie, als wäre kein Stamm
reckt sich die Wurzel nach oben -
und wenn mich diese hier nebenan verjagen, werde ich wiederkommen.
Daß ich wieder graben werde um mich heute Abend
in die einzige Umarmung zu drängen,
daß ich mich wieder niederbeugen werde um zu sehen
zwischen dir und mir
[…]